[ Ich will nicht geküsst werden! ]

Nun sind wir seit 10 Tagen in der Schweiz. Alles ist wie wir es uns vorgestellt haben. Teilweise sogar noch besser. Negative Erfahrungen gibt es im Grossen und Ganzen nicht. Gut, die Preise für Bücher sind wirklich unfassbar hoch. Es tut mir Leid, liebe Schweiz, diese werde ich weiterhin in Deutschland kaufen. Ich kann mich damit anfreunden, dass die Milch teurer ist. Auch damit, dass ein Tagensausflug mit der Familie um gute 20% teurer ist, dafür ist ja auch mehr Geld im Sack. Aber für 3 Kinderbücher fast 100 Franken zu bezahlen? Nein, das geht nicht. 

Und es gibt noch eine Sache, die in meinen Augen viel "schlimmer" ist, als teure Bücher. Denn dafür habe ich eine Lösung. Es sind die Begrüssung- und Abschiedsrituale der Schweiz. Gute Freunde in der Schweiz (hier nennt man sie Kollegen) begrüssen sich mit drei Küsschen auf die Wange. Links, Recht, Links. So las ich es bereits in meinen schlauen Auswanderer Büchern. Okey, dachte ich mir. So verschlossen wie die Schweizer sein sollen, auch das steht in den Büchern, wird es wohl eh Jahre dauern bis mich einer Knutschen will. Pustekuchen! Die Schweizer sind offen und mit dem Knutschen meinen sie es wirklich ernst. 

Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich in Bayern am Bodensee. Wir küssten uns nicht. Wir umarmten und nicht. Man sagte "Hallo" oder "Hi" und wenn man ging gab es ein "Tschüss". Auch in die Runde von mehreren Personen. Man schaute in diese und sagte "Tschüss". 
Als ich ins Rheinland zog war die Verwirrung gross. Plötzlich wollten mich alle Umarmen. "Das macht man hier so!" sagte mein Mann zu mir und ich musste da durch. Drücken hier, drücken da. Und "ach dir haben ich noch nicht Hallo gesagt", bedeutete: "dich habe ich noch nicht gedrückt". Ich machte mit. Oder viel mehr, ich lies es über mich ergehen. Aus Höflichkeit. Doch recht bald merkten, zumindest meine guten Freunde, dass ich es mit dem Gekuschel nicht so habe. Nein, ich mag es einfach nicht. 

Und nun die Steigerung. Wo ich doch nicht einmal die Menschen umarmen und drücken mag, soll ich sie jetzt auch noch knutschen?! Es ist mir zu viel. Versteht mich bitte nicht falsch, ich küsse gerne. Wie Essen, Sex und Urlaub gehört es zum Leben dazu. Küssen ist etwas Tolles, macht Spass und Gesund soll es auch noch sein. Aber Erstens haben diese Begrüssungsküsse nichts mit leidenschaftlichem Küssen zu tun und zweitens lasse ich mich nicht gerne zu etwas zwingen. 

Ich mag Menschen. Es gibt so viele verschiedene und jeder hat etwas besonderes. Ja, das meine ich ernst. Gerne beobachte ich sie und noch lieber bin ich mitten unter ihnen. Doch haben Berührungen für mich sehr viel mit Intimität zu tun. Ich werde nicht gerne von "Fremden" angefasst und fasse diese auch nicht gerne an. Ein wenig habe ich immer meinen Dirty Dancing Ring um mich. "Das ist mein Bereich, das ist dein Bereich. Du bleibst in deinem und ich bleibe in meinem!" So ist es mir am Liebsten. Ich gehe auch gerne in die Saune. Wie gesagt, ich beobachte ja gerne ;) Doch sobald es mir zu eng wird, verlasse ich den Raum. Aus selbigem Grund hasse ich auch das Bus oder Bahn fahren. Bin ich allein damit?! Lasst ihr euch gerne von anderen Menschen berühren? Wie werden die Schweizer reagieren, wenn ich versuche den Küssen auszuweichen? Unhöflich soll es sein.

Wenn das hier so weitergehen soll kommt für mich nur noch die Flucht in Frage. Vielleicht nach Japan? Dort gilt Küssen in der Öffentlichkeit als ungeschickt. Zur Begrüssung wird sich höflich und respektvoll voreinander verneigt. Das wäre etwas für mich!

[ Brötchen aus der Muffinform ]

12 Brötchen zum Frühstück, duftend frisch und köstlich? Bitte sehr. Wenn ihr schon immer mal das ultimative Rezept für die besten Brötchen auf Planet Erde gesucht habt, dann seid ihr hier genau richtig. Und weil "nur" frische Brötchen jeder kann, kommen diese hier aus der Muffinform. Das macht sie dann so schön, äh formig. 

Zuck den Stift, schnapp das Papier und Aufgepasst! Für 12 Muffinbrötchen brauchst du: 


750g Mehl
375ml Wasser (warm)
45g Hefe
15g Salz
90g Butter
90g Zucker
2 Eier


Alle Zutaten kommen zusammen in eine Schüssel. Das sollte jeder auch am Morgen vor dem ersten Kaffee schaffen.  Und kneten. Viel kneten. Den Teig in 12 Kugeln aufteilen und in die bereits gefettete Muffinform legen. In jedes Loch ein Teigkügelchen.  20 min gehen lassen. (Wohin auch immer) und bei 180° Umluft ca. 45 min. im Ofen lassen. Ich habe den Teig während dem Backen immer mal wieder mit Milch bepinselt, damit er eine schöne Farbe bekommt.

Und nun die Masterfrage zum Frühstück: Ich schaffe nur 2 Spiegeleier, aber 4 Eier beim Rührei. Wenn ich sonst nur 1 Brötchen esse, wie viele Muffinbrötchen verputze ich?!

[ Malwettbewerb der Nido ]

"Musst du schon wieder eMail?" schallt die Marotte ihrem Papa, der wieder auf dem Weg von der Küche ins Home Office ist. "Du hast schon 3 Kaffee getrunken. Ich habe dich 3x gesehen!" 
Was arbeitet der Papa eigentlich, der immer zu Hause ist und ständig am Computer sitzt? 
"Dort kann man Spiele spielen und schöne Sachen gucken," weiss meine Marotte. "Bekommt Papa Geld fürs Spielen und Filme gucken? Wenn ich groß bin, mag ich auch eine Papa Arbeit haben."

Die Zeitschrift Nido startet einen Wettbewerb für die Kinder. Es soll der Beruf der Eltern gemalt werden. Klasse. "Da bekommt das Wort Berufsbild eine ganze neue Bedeutung." schreibt die Nido Redaktion. Das finde auch ich eine prima Idee. Schnell das Kind an den Tisch gelockt und malen lassen. Gerne, hätte meine Marotte dem Papa lieber noch ein Krönchen gemalt und auch ein Kleid. Statt dessen wurde es ein Handy in der Hand. "Hosen malen ist schwieriger. Lieber ein Schwingkleid mit Stickereien und Rüschen. Das malt sich leichter" sagt sie. Doch am Ende klappte das Berufsbild doch ganz gut, wie ich finde. 

"Und weisst du den nun, was Papa arbeitet?"
"Mein Papa sitzt am Computer und macht eMail und telefonieren." 



[ Mama, wie oft müssen wir noch schlafen? ]

Jetzt kommen wir der Sache doch langsam mal näher. Langsam, geht es mir schon die ganzen letzten Wochen. Es dauert irre lange, bis der Mann am Wochenende zu uns kommt. Es dauert viel zu lange, bis man alle Behörden besucht, alle Verträge, Abonnements und Mitgliedschaften gekündigt und alles neu in der Schweiz beantragt hat. Und es dauert viel zu lange, bis endlich der große Tag kommt. Noch 14 Tage. Nun streichen wir fleissig, jeden Abend einen Tag im Kalender rot durch. Knallrot!
Natürlich sind hier und da traurige Gesichter zu sehen. Tränen von Freunden zu trösten und Erklärungen immer wieder an der Tagesordnung. Warum so weit? Warum die Schweiz? Und wie seid ihr den überhaupt auf die Idee gekommen? 
Aber das alles ist eine andere Geschichte und die wird ein anderes mal erzählt.